Weltbevölkerung

Derzeit umfasst die Weltbevölkerung ca. 7,7 Milliarden Menschen. Laut einer Prognose ("medium fertility variant") der UN aus dem Jahr 2019 werden 2050 über 9,7 Milliarden und 2100 ca. 10,9 Milliarden Menschen auf der Erde leben. Eine andere Prognose ("high fertility variant") geht von 10,7 Milliarden im Jahr 2050 und 15,6 Milliarden im Jahr 2100 aus.

Im Jahr 2050 kämen 75 Menschen und 2100 84 Menschen auf einen Quadratkilometer Landfläche - in Deutschland sind es derzeit 232 Menschen. So gibt es eigentlich genug Platz für all diese Menschen, und auch ihre Ernährung könnte sichergestellt werden. Jedoch findet das Bevölkerungswachstum vor allem in Regionen statt, die schon jetzt Probleme mit Wassermangel, unzureichender landwirtschaftlicher Produktion und Armut haben. Hier ist in Zukunft mit Wanderungsbewegungen und ethnischen Spannungen zu rechnen. So wird der Anteil der Menschen, die in den weniger entwickelten Regionen der Erde leben, ansteigen. Vor allem Afrika ist betroffen: Hier wird die Bevölkerung von 1,3 Milliarden Menschen im Jahr 2020 auf ca. 2,5 Milliarden im Jahr 2050 und 4,3 Milliarden im Jahr 2100 zunehmen.

Das Durchschnittsalter der Weltbevölkerung wird laut UN von 30,9 Jahren im Jahr 2020 auf 36,2 Jahre im Jahr 2050 bzw. 41,9 Jahre im Jahr 2100 steigen. Der Grund hierfür ist die weiter zunehmende Lebenserwartung, mitbedingt durch eine bessere medizinische Versorgung. Laut UN wird sie von derzeit 71 Jahren auf 77 Jahre im Jahr 2050 bzw. 83 Jahre im Jahr 2100 steigen.

Für die kommenden Jahrzehnte wird eine weitere Zunahme der weltweiten Verstädterung erwartet. Während im Jahr 1950 erst 30% der Menschen in Städten lebten, wurde bereits im Jahr 2007 die 50%-Grenze überschritten. Für 2030 rechnet die UN mit mehr als 60% und für 2050 mit ca. 68%. In absoluten Zahlen bedeutet dies eine Verdopplung der Stadtbevölkerung zwischen 2007 und 2050 von 3,3 auf 6,7 Milliarden Personen. Immer mehr Menschen werden in "Megacities" mit mehr als 10 Millionen Einwohnern leben und arbeiten - zunehmend in Wolkenkratzern. Die Hochhäuser werden immer spektakulärere Formen annehmen: runde, schräge, asymmetrische und unregelmäßige. Außerdem wird mehr Wert auf Klimatechnik gelegt, werden kleine Parks, öffentliche Plätze und sogar Biosphären in die Wolkenkratzer eingebaut. Hingegen wird es weniger Grünflächen zwischen den Gebäuden aufgrund der Nachverdichtung geben.

Die zunehmende Verstädterung reduziert den Bevölkerungsdruck auf dem Land - derzeit beanspruchen Städte etwa 3% der Erdoberfläche. Zudem können Städte eine effizientere Infrastruktur bieten. Allerdings sind sie schon jetzt für drei Viertel des CO2-Ausstoßes und mehr als die Hälfte des Wasserverbrauchs verantwortlich.

(Groß-) Städte bilden Zentren der Weltwirtschaft, in denen neben den "Global Players" viele andere Unternehmen Arbeitsplätze "produzieren", die Menschen aus der Umgebung magisch anziehen. Aber nicht alle werden eine Stelle finden. So wird die Zahl der Slum-Bewohner laut UN bis 2030 von 1 Milliarde auf 3 Milliarden Menschen ansteigen. Neben Slums wird es separate Stadtteile für schlechter und besser Verdienende geben - bis hin zu "Gated Communities" für die Reichen. Aber auch die Mitglieder ethnischer und religiöser Minderheiten oder anderer Subkulturen werden sich in bestimmten Stadtteilen ballen.

Wie in den letzten zwei Jahrzehnten, so wird auch in den kommenden Jahren die Weltbevölkerung im Durchschnitt immer reicher werden. Allerdings dürfte zugleich die Ungleichheit zwischen den Menschen in Industrie- und in Entwicklungsländern zunehmen. Im Jahr 2018 betrug laut Weltbank das durchschnittliche Bruttonationaleinkommen pro Einwohner 11.098 US $. Die Pro-Kopf-Beträge schwankten bei Industrieländern zwischen 83.580 $ (Schweiz), 62.850 $ (USA), 47.180 $ (Deutschland) und 41.340 $ (Japan), bei Schwellenländern zwischen 10.230 $ (Russland), 9.470 $ (China), 9.140 $ (Brasilien), 5.750 $ (Südafrika) und 2.020 $ (Indien). Am niedrigsten waren sie bei den Entwicklungsländern Niger (380 $), Malawi (360 $), Burundi (280 $) und Somalia (130 $).

Die Ungleichheit der Menschen beim Vergleich verschiedener Länder zeigt sich auch hinsichtlich ihres Vermögens. Laut dem Allianz Global Wealth Report 2019 betrug das weltweite Bruttogeldvermögen 172,5 Billionen Euro (die Schulden der Privathaushalte summierten sich im gleichen Jahr auf knapp 43 Billionen Euro). Der Anteil, der auf Menschen in Schwellenländern entfiel, betrug gerade einmal 17,9%. Das weitaus meiste Vermögen besitzen also Menschen in den Industrieländern. Tendenziell nimmt aber der Anteil der Asiaten an der globalen Mittelschicht und an den Reichen zu. Das durchschnittliche Nettogeldvermögen pro Kopf war mit 173.840 Euro am höchsten in den USA, gefolgt von 100.370 Euro in der Schweiz, 97.850 Euro in Taiwan, 97.345 Euro in den Niederlanden und 96.310 Euro in Japan (die Deutschen lagen mit 52.860 Euro auf dem 18. Platz).  

Laut dem "Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018" vom World Inequality Lab hat seit 1980 die Einkommensungleichheit in fast allen Staaten der Welt zugenommen, wenn auch unterschiedlich schnell. Betrachtet man nur große Länder bzw. Weltregionen, so war der Anstieg besonders stark in Nordamerika, China, Indien und Russland, während er in Europa vergleichsweise schwach war. Im Jahr 2016 entfielen auf die oberen 10% der Einkommensbezieher 37% des Nationaleinkommens in Europa, 41% in China, 46% in Russland, 47% in den USA und Kanada, ca. 55% in Subsahara-Afrika, Brasilien und Indien sowie 61% im Nahen Osten. Oxfam schätzte, dass im Jahr 2016 die acht reichsten Männer der Erde mit 426 Milliarden US $ mehr Vermögen als die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung besaßen (409 Milliarden US $). Laut Forbes gab es 2018 weltweit 2.153 Milliardäre, deren Vermögen auf 8,7 Billionen US $ geschätzt wurde. Dieser Betrag liegt knapp unter dem addierten Bruttoinlandsprodukt von Deutschland, Frankreich und Großbritannien.

In den meisten Staaten, insbesondere in den Schwellenländern, ist eine positive Entwicklung in den Bereichen Produktion und Konsum festzustellen; diese Tendenzen dürften sich auch in den kommenden Jahrzehnten fortsetzen. Wo dies nicht geschieht, ist laut dem Zukunftsforscher Matthias Horx eine Vielzahl von Ursachen dafür verantwortlich - nicht aber die Globalisierung bzw. die Ausbeutung der Armen durch die Reichen. Länder (insbesondere in Ost- und Südasien sowie in Lateinamerika), die sich in den 1980er Jahren für die Globalisierung geöffnet haben, hätten ein großes Wirtschaftswachstum und eine starke Steigerung des Lebensstandards erlebt - im Gegensatz zu Ländern (zumeist in Afrika und Westasien), die sich dieser Entwicklung gegenüber verschlossen haben.

Insbesondere wegen des starken Wachstums in Asien sind seit 1980 die Einkommen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung deutlich gestiegen (Bericht zur weltweiten Ungleichheit 2018). Gleichzeitig nahm aber das Einkommen des reichsten 1% mehr als doppelt so schnell zu. Die verbleibenden 49% der Weltbevölkerung erlebten hingegen ein schleppendes Einkommenswachstum oder sogar ein Null-Wachstum. Sollte sich die Entwicklung so fortsetzen wie bisher, wird in einer von China, der EU und den USA repräsentierten Welt der Anteil des reichsten 1% am Weltvermögen bis zum Jahr 2050 von 33% auf 39% zunehmen; die reichsten 0,1% würden fast genauso viel Vermögen (26%) besitzen wie die globale Mittelschicht (27%).

Auf dem Weg zu einer multipolaren Welt

Während derzeit die USA noch das politische Geschehen als größte Weltmacht dominiert, wird für die kommenden Jahrzehnte mit dem Entstehen einer multipolaren Welt gerechnet: China, Russland, Indien, Brasilien und weitere Schwellenländer werden eine immer größere Rolle in der Weltpolitik spielen. So haben die weitgehend erfolglosen politischen und militärischen Interventionen der USA und ihrer europäischen Verbündeten im Nahen und Mittleren Osten, in Nordafrika, in Ex-Jugoslawien und in der Ukraine gezeigt, wie begrenzt der Einfluss der alten Mächte ist.

Ferner hat die Finanz- und Wirtschaftskrise, die im Jahr 2007 begann, das Vertrauen der Menschheit in die freie Marktwirtschaft bzw. in den Kapitalismus erschüttert, zumal die stärker staatlich kontrollierte Wirtschaft Chinas kaum betroffen war und weiter expandierte. Hingegen verlieren die USA, die europäischen Länder und Japan an Bedeutung, da sie anstehende Probleme wie die Regulierung der Finanzmärkte oder die Begrenzung des Klimawandels nicht lösen. Zudem werden ihre Handlungsspielräume immer mehr durch die hohe Verschuldung begrenzt: Laut dem Institute of International Finance sind die Schulden von Staaten, Unternehmen, Finanzsektor und Privathaushalten vom 97 Billionen US $ im Jahr 2007 auf 250 Billionen im ersten Quartal 2019 gestiegen. Das entspricht rund 320% des Bruttoinlandsprodukts aller Staaten - bei Schwellenländern sind es sogar schon ca. 380%. Bereits eine stärkere Eintrübung der (Welt-) Konjunktur oder ein größerer Zinsanstieg könnte die Blase platzen lassen..

Laut der Staatsschuldenuhr von boerse.de betrugen am 28.11.2019 die Pro-Kopf-Schulden in Deutschland 30.017 Euro, in den USA 76.136 $ und in Japan 104.804 $, jedoch in Russland nur 7.742 $, in China 3.072 $ und in Indien sogar nur 1.268 $. Für November 2029 wird eine Verschuldung pro Person prognostiziert von 36.113 Euro in Deutschland, 111.778 $ in den USA, 122.150 $ in Japan, 12.097 $ in Russland, 3.295 $ in China und 1.957 $ in Indien. So gilt es als unwahrscheinlich, dass die europäischen Staaten, Japan und die USA in den nächsten Jahren ihre Schulden abbauen können, da die Rentenausgaben und Gesundheitskosten aufgrund der Alterung der Bevölkerung rasant ansteigen werden. Sie können aber auch ihre Schuldenberge nicht immer weiter erhöhen - deshalb ist schon bald mit neuen Schuldenkrisen zu rechnen.

Im Januar 2015 beschloss die Europäische Zentralbank, Staatsanleihen aller Eurostaaten für monatlich 60 Mrd. Euro aufzukaufen. Während die Wirtschaft von dem sinkenden Eurokurs profitiert (größere Wettbewerbsfähigkeit auf dem Weltmarkt), leiden Sparer, Banken, Lebensversicherungen und Bausparkassen unter den niedrigen Zinsen. Hinzu kommt, dass die Finanzpolitik der EZB es den (süd-) europäischen Staaten erleichtert, neue Schulden aufzunehmen und notwendige Wirtschaftsreformen zu verschieben. Seit Juni 2016 kauft die EZB auch Unternehmensanleihen auf - das "billige" Geld könnte Unternehmen verleiten, unnötige Risiken einzugehen. Zudem werden auf diese Weise ineffiziente Unternehmen am Leben erhalten, scheint es zu neuen Blasenbildungen z.B. auf den Aktien- und Immobilienmärkten zu kommen. Im Oktober 2019 betrug die Bilanzsumme der EZB bereits 4,7 Billionen Euro. Deutschland haftet für 28% der Schulden der EZB. Aber auch die US-Notenbank hat ihre Bilanzsumme auf rund 4 Billionen US $ erhöht (Oktober 2019).

Im März 2016 meldete die EZB-Bankenaufsicht, dass Europas Banken krisenanfällig seien: Sie litten unter Niedrigzinsen, veralteten Geschäftsmodellen und maroden Krediten. Anfang 2019 berichtete die EZB, dass die notleidenden Kredite in den Bilanzen von 103 Banken 587 Milliarden Euro betragen würden, was etwa 3,7% des Bankkreditbestands entspricht. Im Juli 2017 kritisierte die französische Finanzaufsicht AMF, dass die Verschuldung des Staates, der Unternehmen und der Privathaushalte seit der Finanzkrise von 2007 in nahezu allen großen Volkswirtschaften stark angestiegen sei - z.B. in der Euro-Zone um 27% (gemessen am Bruttoinlandsprodukt). Dasselbe gelte für Schwellenländer - z.B. läge in China die Schuldenlast bereits bei 260% des BIP. Ferner problematisierte die AMF die stark angestiegenen Immobilienpreise und Aktienkurse. So könnte es in naher Zukunft weitere Finanz- und Eurokrisen geben - und eine "brutale" Neubewertung von Vermögen.

Die "alten" Mächte verlieren an Bedeutung

Hinsichtlich der Einschätzung der Zukunft der USA gibt es zwei divergierende Perspektiven. Auf der einen Seite glauben Zukunftsforscher wie Dmitry Orlov oder James Howard Kunstler, dass die USA als Weltmacht an Bedeutung verlieren wird. Sie gehen davon aus, dass dem Finanzsektor weitere Krisen bevorstehen, dass das Wirtschaftswachstum niedrig bleiben wird, dass Steuern und Abgaben steigen werden (z.B. wegen der Alterung der Bevölkerung und um die vernachlässigte Infrastruktur modernisieren zu können), dass der Klimawandel die amerikanische Landwirtschaft negativ beeinflussen wird usw. Anstatt auf die neuen Herausforderungen zu reagieren, das Finanz- bzw. Wirtschaftssystem umzubauen und die Bevölkerung auf "magere Zeiten" vorzubereiten, würde die US-Regierung nach dem Motto "More of the Same" handeln.

Auf der anderen Seite sind Zukunftsforscher wie Andreas Eschbach oder George Friedman der Meinung, dass die USA - politisch, kulturell und militärisch - eine Supermacht bleiben werden. Im Gegensatz zu Europa und Japan verlaufe die demographische Entwicklung positiv (z.B. bestandserhaltende Geburtenrate, Zuwanderung junger Menschen). Die USA kontrolliere sowohl den Nordatlantik als auch den Pazifik - und damit das Welthandelssystem. Auch verlaufe die wirtschaftliche Entwicklung wieder recht positiv, zumal die USA bei Zukunftstechnologien führend seien. Zudem ist das Land dank Fracking immer weniger auf Öl- und Gasimporte angewiesen, sind die Energiepreise gefallen.

In den letzten Jahrzehnten hat die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft stark zugenommen. Laut dem Pew Research Institut sank der Anteil der Mittelschicht an der Bevölkerung von 61% In Jahr 1971 über 54% im Jahr 2001 auf 52% im Jahr 2016. Gleichzeitig werden die Reichen immer reicher, gibt es immer mehr arme Menschen. Die Arbeitslosenquote in den USA wird auch in den kommenden Jahren recht hoch bleiben - mitbedingt dadurch, dass die Zahl der Stellen für wenig qualifizierte Arbeitnehmer zurückgehen wird. Hingegen werden weiterhin Arbeitskräfte mit (natur-) wissenschaftlichen und technischen Abschlüssen gesucht werden, aber auch Mitarbeiter für den Bildungs-, Gesundheits- und Pflegebereich.

Ähnliches gilt für Europa, Russland, Japan und Südkorea, wo die Situation noch durch die sinkenden Geburtenraten verschärft wird. Der Wirtschaft in den USA, in Europa und in Ostasien wird es auch immer schwerer fallen, offene Stellen mit Immigranten zu besetzen, da hoch qualifizierte Chinesen, Inder, Südamerikaner usw. in ihren Heimatländern immer bessere Berufschancen haben werden.

Nach der Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten geht die Entwicklung dahin, dass sich die USA tendenziell abschotten und aus der Weltpolitik zurückziehen. Sollte das Land - wie von Trump angekündigt - ihr militärisches Engagement in Europa und im Pazifikraum reduzieren, könnte dies zu höheren Militärausgaben in den EU-Ländern, in Japan, Taiwan und Südkorea sowie zu mehr Unsicherheit führen. Inzwischen sind die USA aus Freihandelsabkommen ausgetreten und haben insbesondere die Zölle für Importe aus China stark erhöht. Diese Entwicklung beeinträchtigt den Welthandel zunehmend und wird negative Folgen vor allem für Exportländer wie Deutschland, China, Südkorea oder Japan haben. Der Technologiebann, den die US-Regierung Mitte 2019 gegenüber Chia verhängt hat, könnte nicht nur dazu führen, dass sich der Aufbau des 5G-Netzwerks in den USA und in Westeuropa verlangsamt, sondern auch dazu, dass China eigene Betriebssysteme, Chips, Apps und Standards entwickeln wird. Chinesische Hightech-Unternehmen könnten somit gestärkt aus diesem Technologiekrieg heraustreten und zu noch größeren Konkurrenten für westliche Konzerne werden.

Europa wird laut dem Bericht "Global Trend 2025" des National Intelligence Council in den kommenden Jahren wohl eine wichtige Wirtschaftsmacht bleiben, aber weder zu einem einflussreichen globalen Akteur - der mit einer Stimme spricht - noch zu einer Militärmacht werden. Nationale Interessen würden weiterhin eine gemeinsame Außen- und Sicherheitspolitik erschweren. Auch müsste ein immer größer werdender Anteil des Steueraufkommens darauf verwendet werden, den durch Rückgang der arbeitsfähigen Bevölkerung und Überalterung gefährdeten Wohlfahrtsstaat zu retten. Die Wirtschaft dürfte nur noch in kleinen Schritten liberalisiert werden und weiterhin in hohem Maße von Energielieferungen aus Russland abhängig sein.

Hinzu kommt, dass der Brexit die EU auf Dauer schwächen wird. So war Großbritannien nach Deutschland die größte Wirtschaftsmacht in der EU und ebenfalls ein Nettozahler - knapp 5 Mrd. Euro pro Jahr müssen nun von anderen Ländern übernommen oder eingespart werden. Zudem ist mit einer langen Phase der Unsicherheit zu rechnen, da die Handelsbeziehungen zwischen der EU und Großbritannien neu geregelt werden müssen und das Austrittsland mehr als 10.000 EU-Regulierungen durch nationales Recht ersetzen muss. Dies wird sowohl die Handelsbeziehungen zwischen EU und Großbritannien belasten als auch zu weniger Investitionen in dem Austrittsland führen. Darunter wird auch die deutsche Wirtschaft leiden - schließlich ist Großbritannien der drittwichtigste Handelspartner der Bundesrepublik. Außerdem könnte es zu einem "Dominoeffekt" kommen, wenn andere Länder ebenfalls Volksabstimmungen über einen EU-Austritt durchführen sollten. So gibt es starke EU-kritische Bewegungen in Frankreich und den Niederlanden, aber auch in Finnland, Italien, Polen, Ungarn und Tschechien. Diese könnten z.B. bei neuen Wirtschafts- und Schuldenkrisen (s.o.) an Einfluss gewinnen.

Die wirtschaftliche Entwicklung in Japan verlief lange Zeit eher schleppend und hat erst 2013 wieder zugelegt. Inzwischen ist Japan nur noch die drittgrößte Volkswirtschaft der Welt und liegt auf Platz 4 der exportstärksten Länder. Allerdings ist das Bruttoinlandsprodukt zwischen 2008 und 2018 nicht gewachsen - laut Wikipedia stagniert es bei 5 Billionen US $. Nach Schätzungen der japanischen Regierung wird sich die Zahl der Senioren bis 2050 von heute 20,1% - das ist bereits Weltrekord - auf rund 40% der Bevölkerung verdoppeln. Dann werden laut dem Japan Center for Economic Research 70% der nationalen Arbeitskraft verschwunden sein. Das reiche der Wirtschaft noch nicht einmal für ein Nullwachstum.

Der Aufstieg der Schwellenländer

Als Staaten mit Zukunft gelten die Schwellenländer, insbesondere China, Russland, Indien, Brasilien, Indonesien, Mexiko und die Türkei. China und Russland sind aufgrund ihrer militärischen, politischen bzw. wirtschaftlichen Stärke bereits große Machtzentren in der sich abzeichnenden multipolaren Welt. Sie grenzen sich als autoritäre Staaten gegenüber den westlichen Demokratien ab und gehen ihren eigenen Weg. Wie die Besetzung der Krim zeigt, nimmt Russland sogar einen neuen "kalten Krieg" in Kauf, wenn es seinen Einflussbereich ausweiten kann.

China könnte nach Ansicht vieler Ökonomen bis zum Jahre 2030 das Bruttoinlandsprodukt der Vereinigten Staaten erreichen. Das Land ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Innerhalb weniger Jahrzehnte hat sich China zu einem der bedeutendsten Industrieländer entwickelt - zur "Fabrikhalle der Welt": Hier erwirtschaftet das produzierende Gewerbe rund 40% des Bruttoinlandsprodukts (2017). Im Jahr 2017 arbeiteten 27% aller Erwerbstätigen in der Industrie. Seit einiger Zeit entwickelt sich China weiter zu einer "Brutstätte" moderner Technologien: Unternehmen wie Baidu, Alibaba oder Tencent sind inzwischen zu gleichwertigen Konkurrenten amerikanischer Konzerne wie Alphabet Inc. (Google) oder Amazon geworden. Beispielsweise werden schon jetzt rund 90% aller Smartphones, 80% aller Computer, 41% aller Schiffe und 28% aller Autos in China produziert. Laut dem Programm "Made in China 2025" will das Land bis zu diesem Jahr in zehn Wirtschaftsbereichen führend werden: Im Vergleich zu anderen Ländern soll z.B. der erste Platz in den Branchen Telekommunikation, Eisenbahnen und Energieversorgung sowie der zweite oder dritte Platz bei Robotik, High End Automatisierung und Fahrzeugtechnik mit neuer Energie erreicht werden.

Im Jahr 2018 hat China Waren im Wert von knapp 2,5 Billionen $ exportiert und im Wert von 1,5 Billionen $ importiert. Aufgrund des Exportbooms hat China mit rund 3 Billionen $ die höchsten Währungsreserven der Welt angesammelt. Auch wird immer mehr für die Qualifizierung des Nachwuchses getan: Laut DAAD gab es 2017 mehr als 44 Millionen Studenten in China - etwa 16-mal so viele wie in Deutschland. Besonders viele Mittel werden in technische Studien investiert. Inzwischen veröffentlichen chinesische Forscher mehr wissenschaftliche Artikel und erhalten mehr Patente als ihre Kollegen in anderen Ländern.

Laut dem Nobelpreisträger Robert Fogel aus Chicago wird China im Jahr 2040 rund 40% des weltweiten Bruttoinlandsprodukts erwirtschaften und ein Pro-Kopf-Jahreseinkommen von 85.000 $ erreichen (Europa: 5% der globalen Wirtschaftskraft, die Hälfte des chinesischen Einkommens). Im Jahr 2019 gab es bereits 4,5 Millionen Millionäre in China. Aber auch die Mittelschicht wird immer größer. Bis 2025 sollen 350 bis 400 Millionen Menschen - mehr als die Gesamtbevölkerung der USA - zusätzlich in die Städte ziehen; 2030 könnte die Stadtbevölkerung dann 1 Milliarde Menschen betragen. So wird China "die größte Baustelle der Welt" bleiben: Derzeit wachsen die urbanen Regionen um 2 Milliarden Quadratmeter pro Jahr.

China dürfte das einzige Land sein, das eine klare weltpolitische Strategie verfolgt: Mit der "Neuen Seidenstraße"-Initiative baut die Volksrepublik seit 2013 ein interkontinentales Handels- und Infrastrukturnetz auf, das rund 80 Länder Asiens, Afrikas und Europas umfasst und ca. 60% der Weltbevölkerung betrifft. Laut Handelsblatt wurden bis 2019 etwa 1 Billion $ für knapp 1.000 Einzelprojekte bereitgestellt. Die beteiligten Länder werden durch Kredite und Investitionen wirtschaftlich immer enger an China gebunden - bis hin zu einer durch hohe Schulden bedingten politischen Abhängigkeit.

Es gibt aber auch Hemmnisse für das weitere Wachstum Chinas: mangelnde Infrastruktur, die defizitären staatseigenen Betriebe, der hohe Bedarf an Energie und Rohstoffen, Anti-Dumping-Maßnahmen der Industrieländer und Schutzklauselanwendungen gegen chinesische Produkte, der rudimentäre Stand des Finanzsektors, die kontrollierte Währung, latente notleidende Kredite im geschätzten Volumen von 30 bis 40% des Bruttoinlandsproduktes, hohe Korruption, eine zunehmende Knappheit an qualifizierten Arbeitskräften, unzureichende soziale Sicherungssysteme, wachsende Einkommensunterschiede, große regionale Disparitäten, die sich abzeichnende Wasserkrise und die Umweltverschmutzung. Die Schulden von Staat, Unternehmen und privaten Haushalten lagen Anfang 2019 bei 303% des Bruttoinlandsprodukts.

Insbesondere die Wanderarbeiter werden als "Modernisierungsverlierer" eine große Problemgruppe bleiben. Dazu kommt eine zunehmende Alterung der Gesellschaft: Im Jahr 2050 wird das Medianalter 45 Jahre anstelle von jetzt 33 Jahre betragen; knapp ein Viertel der Chinesen wird dann älter als 65 Jahre sein. So müssen in den kommenden Jahrzehnten die sozialen Sicherungssysteme ausgebaut werden, was die wirtschaftliche Entwicklung bremsen dürfte. Dementsprechend wird für die kommenden Jahre nur noch von einem durchschnittlichen realen Wachstum von 5 bis 6% ausgegangen.

Ferner könnten folgende Widersprüche einen weiteren Aufstieg Chinas hemmen: Einerseits will die Kommunistische Partei eine moderne Gesellschaft, andererseits aber keine Bürgerrechte. Sie will Technologien zur Modernisierung nutzen, gleichzeitig aber ihre Verwendung einschränken. China will Vorreiter auf dem Weg zur Wissensgesellschaft sein, aber zugleich den Informationsfluss kontrollieren. Die Regierung möchte den Wohlstand mehren, lässt aber die Reichen reicher und die Armen ärmer werden. Die Bevölkerung wird weiterhin unterdrückt, rebelliert aber vor allem auf dem Land immer häufiger gegen die Benachteiligung der Bauern und Wanderarbeiter. Korruption ist weit verbreitet; das Rechtssystem funktioniert nicht. So glauben einige Zukunftsforscher wie z.B. George Friedman, dass China in den kommenden Jahrzehnten weltpolitisch an Bedeutung verlieren oder sogar zerfallen könnte.

Indien gehört zu den am stärksten expandierenden Volkswirtschaften der Welt (Wirtschaftswachstum im Jahr 2018: 5,8%). Mitte des Jahrhunderts wird Indien voraussichtlich mit 1,7 Milliarden Einwohnern das bevölkerungsreichste Land der Erde sein und mit seinem Bruttoinlandsprodukt nach China und den USA an dritter Stelle liegen. Derzeit spielt der Dienstleistungssektor mit einem Anteil von rund 56% am Bruttoinlandsprodukt eine herausragende Rolle, obwohl nur 27% der Beschäftigten in diesem Bereich tätig sind. Viele IT-Aufgaben und andere Geschäftsprozesse für international tätige Konzerne werden im "Backoffice der Welt" erledigt. Derzeit gibt es 864 Universitäten und 40.026 Colleges mit 35,7 Millionen Studierenden (2018). Die Zahl der Studenten soll in den kommenden Jahren weiter ansteigen. Wie China beansprucht Indien mehr politischen Einfluss, zumal es die größte Demokratie der Welt sei.

Unklar ist jedoch, ob in Indien die ökonomische Entwicklung mit dem Bevölkerungswachstum mithalten kann. Schon jetzt ist Armut weit verbreitet: Laut Weltbank haben 44% der Einwohner weniger als einen US-Dollar pro Tag zur Verfügung; mehr als ein Viertel der Bevölkerung ist unterernährt. Ferner sind in Indien - einem Land, in dem fast 50% der Arbeitskräfte in der Landwirtschaft tätig sind - schätzungsweise 60% der Nutzflächen von Wasserknappheit, Bodenerosion und Versalzung betroffen. Zudem wird das Land immer wieder von Naturkatastrophen wie Überschwemmungen und Dürren heimgesucht, die durch den Klimawandel noch häufiger auftreten und zu mehr Opfern führen dürften. Weitere Risikofaktoren für die wirtschaftliche Entwicklung sind z.B. die schlechte Infrastruktur, die zunehmende Luft- bzw. Umweltverschmutzung, die ineffiziente Bürokratie, das gespannte Verhältnis zu Pakistan sowie die vielen religiösen und ethnischen Konflikte, die oft mit Gewalt ausgetragen werden oder mit terroristischen Anschlägen verbunden sind.

Brasilien, Argentinien und einige andere lateinamerikanische Staaten haben dank des Rohstoff-Booms und des guten Absatzes landwirtschaftlicher Produkte einen rasanten wirtschaftlichen Aufschwung erlebt, von dem alle gesellschaftlichen Gruppen profitierten. Zugleich führten linksgerichtete bzw. populistische Regierungen eine Umverteilungspolitik zugunsten ärmerer Menschen durch. Jedoch wurde nur wenig in Bildung, Forschung und die Förderung moderner Wirtschaftszweige investiert. So ist die skizzierte positive Entwicklung in vielen Ländern ins Stocken geraten - oder hat sich sogar zum Negativen gewendet -, zumal die Einnahmen aus Rohstoffen seit dem Abflachen des Booms stark gesunken sind und die Staatsverschuldung kaum noch ausgeweitet werden kann.

Staaten, deren Reichtum vor allem auf ihren Erdölvorkommen beruht, wird zumeist eine eher negative Zukunft prognostiziert: Da die Erdölproduktion in den kommenden Jahren zurückgehen wird, werden viele dieser Staaten ihre Haupteinnahmequelle verlieren. Insbesondere in Ländern wie Saudi-Arabien, in denen die Bevölkerung stark wächst und wo schon jetzt die Arbeitslosenquote sehr hoch ist, würde dann der Lebensstandard stark sinken. Unruhen oder gar (Bürger-) Kriege könnten die Folge sein. Zudem nimmt die Marktmacht der OPEC-Staaten ab, da sich neben Nigeria, Brasilien und anderen Ländern auch die USA und Kanada zu großen Erdölproduzenten entwickeln. Um das Letzte aus ihren Erdölquellen herauszuholen, werden viele Länder mit einer verstaatlichten Erdölindustrie die Hilfe westlicher Unternehmen benötigen. Dies könnte die anti-westliche Stimmung im Mittleren Osten - aber z.B. auch in Venezuela - verstärken.

Entwicklungsländer vor neuen Krisen

Während in den Schwellenländern und einigen anderen Staaten der Dritten Welt die "Aufholjagd" begonnen hat - verbunden mit einem ungehemmten Wirtschaftswachstum -, werden hingegen die anderen Entwicklungsländer zunehmend marginalisiert. Hier können Landwirte, Handwerker und Fabriken ihre Produkte nicht mehr absetzen, weil die Märkte mit billiger - und oft subventionierter - Ware aus entwickelten Ländern überschwemmt werden. In vielen Entwicklungsländern können Unternehmen nahezu ungehindert Menschen in "Sweatshops" ausbeuten oder sich Bodenschätze aneignen. Wegen ihrer Überschuldung müssen die meisten armen Länder mehr für Tilgung und Zinsen aufbringen als ihnen an Zuwendungen zufließen. Auch wird in sie kaum investiert: Die weitaus meisten Direktinvestitionen gehen in OECD- und Schwellenländer. So wird der Abstand zwischen den Industrie- und Schwellenländern auf der einen Seite und den Entwicklungsländern auf der anderen Seite immer größer werden.

In vielen Entwicklungsländern sind die meisten Menschen noch in der Landwirtschaft tätig. Oft produzieren sie nur für den eigenen Bedarf, da die nächsten Märkte zu weit entfernt sind. Zumeist mangelt es an landwirtschaftlichen Maschinen, Kunstdünger und Pflanzenschutzmitteln. Viele Dörfer sind noch ohne Elektrizität und können nur über unbefestigte Straßen erreicht werden. Aber auch in Städten ist die Infrastruktur oft unzureichend. Abgesehen vom Bergbau gibt es zumeist nur wenig Industrie. So sind in vielen Entwicklungsländern bis zu 50% der jungen Menschen arbeitslos oder unterbeschäftigt. Das Bildungs- und Gesundheitswesen sowie die Verwaltung sind unterentwickelt. Viele Menschen sind Analphabeten oder haben nur einige wenige Jahre lang die Schule besucht; eine qualifizierte Berufsausbildung oder ein Hochschulabschluss sind selten.

Auch in den kommenden Jahren wird sich die Lebenssituation der meisten in Entwicklungsländern lebenden Menschen kaum verbessern. Selbst bei einem Wirtschaftswachstum wird das Pro-Kopf-Bruttoinlandsprodukt nur wenig ansteigen, da immer mehr Menschen in diesen Ländern leben werden. Aufgrund der weit verbreiteten Arbeitslosigkeit und Armut, der häufigen ethnischen und religiösen Konflikte, der überwiegend autoritären Regimes, der ineffizienten Bürokratie, der grassierenden Korruption, der fehlenden Rechtssicherheit und ähnlicher Gründe wird es wahrscheinlich zu noch mehr sozialen Unruhen, Staatsstreichen und Bürgerkriegen kommen, die zumeist zu einer weiteren Verschlechterung der Verhältnisse führen dürften.

Laut Statista gab es in Afrika 34 Millionen Arbeitslose (2019). Dazu kommen die "working poor" (Menschen, die trotz Erwerbstätigkeit arm sind); ihr Anteil an der Bevölkerung wird auf rund 29% geschätzt. So ist es nicht verwunderlich, dass laut einer Gallup-Umfrage von 2016 rund ein Drittel der Menschen über 15 Jahren in Afrika - südlich der Sahara - bereit wäre, ihr Heimatland zu verlassen; in Nordafrika wäre es mehr als ein Viertel aller Menschen. In Lateinamerika und in der Karibik gäbe es mehr als 30%, in den arabischen Staaten und Ostasien mehr als 20%, in Osteuropa und Zentral- bzw. Westasien knapp 20% und in Südasien 15% Migrationswillige. Immer mehr Menschen werden somit in den kommenden Jahren z.B. nach Europa und Nordamerika auswandern wollen. Nach anderen Schätzungen (z.B. von Gunnar Heinsohn, Nato Defense College) könnten dies weltweit bis zu 600 Millionen Menschen sein.

Viele Entwicklungsländer werden unter der sich anbahnenden Ernährungskrise leiden. So müssen jedes Jahr mehr Menschen ernährt werden, während gleichzeitig immer mehr landwirtschaftlich genutzte Flächen durch Urbanisierung, Überbeanspruchung und Erosion verloren gehen. Laut der Bayer AG waren 1950 weltweit noch 5.200 Quadratmeter Ackerland pro Kopf verfügbar, 1990 waren es noch 2.900 und 2010 2.200 Quadratmeter. Für 2030 werden nur noch 1.900 Quadratmeter und für 2050 1.700 Quadratmeter pro Person prognostiziert. Der Klimawandel, die immer häufigeren extremen Wetterereignisse und die zunehmende Versalzung künstlich bewässerter landwirtschaftlicher Flächen werden die Ernährungskrise verschärfen: So wird bis 2030 mit einem Rückgang der Erträge in China bei Reis um 3%, in Südasien bei Reis um 10 bis 15% und in Südafrika bei Mais um 30 bis 47% gerechnet.

Laut dem Weltagrarbericht hat sich die globale Fleischproduktion zwischen 1965 und 2017 fast vervierfacht - von 84 auf 330 Millionen Tonnen. Die FAO rechnet für 2050 mit 455 Millionen Tonnen. Dadurch werden die Ressourcen immer stärker beansprucht: Ein zunehmender Anteil der Ackerfrüchte wird nicht gegessen, sondern zur Erzeugung von Fleisch, Eiern und Milch verwendet. Um aber 1 Kilo Schweine- oder Hühnerfleisch herzustellen, benötigt ein Landwirt 2 Kilo Mais, Soja oder Weizen, bei Rindfleisch sind es schon 6 Kilo. Für einen Nordamerikaner wird etwa viermal so viel Getreide wie für einen Inder benötigt, der sich überwiegend vegetarisch ernährt. Außerdem werden für die Herstellung von 1 Kilo Getreide 1.500 Liter Wasser gebraucht, für 1 Kilo Rindfleisch aber 5.000 bis 20.000 Liter - und Wasser wird immer knapper.

In den kommenden Jahrzehnten wird die Nachfrage nach Fleisch und Milchprodukten weiter steigen. Und würde die Produktion von Biosprit bis zum Jahr 2020 verdoppelt, so könnte dies den Preisanstieg bei den Nahrungsmitteln fast verdreifachen. Schon ein Drittel der Maisernte in den USA wird zu Biosprit verarbeitet - vom Äquivalent zweier Tankfüllungen könnte sich ein Mensch ein Jahr lang ernähren.

In den letzten Jahren sind die Lebensmittelpreise weltweit stark gestiegen und vor allem für die ärmste Milliarde Menschen zu einer großen Belastung geworden, da sie zwischen 50 und 70% ihres Einkommens für Ernährung ausgeben. Immer mehr Menschen haben nicht genug Geld, um genügend Grundnahrungsmittel zu kaufen. So liegt die Zahl hungernder Menschen laut Welthungerhilfe bei rund 821 Millionen (2019). Nach Schätzungen wird die Zahl bis 2025 auf 1,2 Milliarden und bis 2050 auf 3 Milliarden Menschen ansteigen. Allerdings soll laut der UN-Agenda für nachhaltige Entwicklung der Hunger bis zum Jahr 2030 besiegt werden.

Schon jetzt streben einzelne Staaten (z.B. Indien, Vietnam, Indonesien und China) danach, durch Exporteinschränkungen für Nahrungsmittel ihre eigene Versorgung sicherzustellen. Zudem erwerben staatliche und private Unternehmen aus Saudi-Arabien, Südkorea, China, Indien und einigen anderen Ländern - im Auftrag oder mit Unterstützung der jeweiligen Regierung - Ackerland in Afrika, Südostasien und Südamerika, weil die eigene Landwirtschaft nicht genügend Lebensmittel für die Bevölkerung produziert. Laut dem Weltagrarbericht haben sich Investoren seit dem Jahr 2000 rund 26,7 Millionen Hektar Land für landwirtschaftliche Zwecke angeeignet - eine Fläche so groß wie Großbritannien und Slowenien zusammen. Ein Großteil des Landes war allerdings für Pflanzen bestimmt, die nicht der menschlichen Ernährung dienen. Problematisch ist, dass diese Flächen häufig von der einheimischen Bevölkerung (extensiv) genutzt wurden - die nun verarmt oder sogar unter Hunger leidet. Oft wurden die Einheimischen von dem Land vertrieben; alleine in Äthiopien sollen mehr als 1 Million Menschen von diesem Schicksal betroffen sein. Da die neuen landwirtschaftlichen Betriebe hoch technisiert sind, entstehen nur wenige neue Arbeitsplätze. Zudem werden die Produkte exportiert, kommen also nicht der einheimischen Bevölkerung zugute.

Nach positiveren Szenarien kann die Ernährungskrise jedoch durch gentechnisch veränderte Pflanzen abgemildert werden, die höhere Erträge erbringen und auch in Regionen angebaut werden können, für die sie bisher noch nicht geeignet sind. Produktionszuwächse ließen sich zudem durch umweltfreundlichere Anbaumethoden und effizientere Bewässerung erreichen (z.B. durch Sprinkler oder Tröpfchenbewässerung). Der Klimawandel könnte auch dazu führen, dass in mehr Regionen Nordamerikas und Europas zwei Ernten pro Jahr eingefahren werden. Ferner gibt es viele essbare Lebewesen wie z.B. Insekten, Muscheln, Seesterne und Algen, die bisher erst in wenigen Regionen dieser Welt verzehrt werden. Ihre nur wenig Ressourcen beanspruchende Zucht könnte ausgeweitet werden. Selbst wenn weiterhin die meisten Menschen den Verzehr von Insekten, Muscheln, Seesternen oder Algen ablehnen sollten, könnten deren Bestandteile (z.B. in der Form von Insekten- oder dem bereits verwendeten Algenmehl) bei der Produktion von Fertigprodukten genutzt werden.

Ein mit der Nahrungsknappheit eng zusammenhängendes Problem ist die Wasserkrise, die neben der Dritten Welt auch OECD- und Schwellenländer trifft, dort aber besser abgefangen werden kann. Derzeit werden insgesamt 400 Millionen Menschen mit Wasser aus schwindenden Quellen versorgt. Die Investmentbank Goldman Sachs sieht in der Wasserkrise eine noch größere Gefahr für die Menschheit als in der Erschöpfung der Erdölquellen und anderer Rohstoffvorkommen. In den USA sind Kalifornien, Nevada, Arizona, Colorado, Texas, Georgia, Florida und weitere Staaten vom Wassermangel betroffen. Noch problematischer ist die Situation in Südostasien: Einige hundert Quadratkilometer Himalaja-Gletscher sind die Quelle für alle wichtigen Flüsse Asiens, also für den Ganges, den Yangtse und den Gelben Fluss - und die Gletscher werden aufgrund der Erderwärmung immer kleiner. Zudem wird in Südostasien viel zu viel Grundwasser entnommen. So wird z.B. in Nordchina fast die Hälfte des Nutzwassers aus dem Boden geholt, sodass die Grundwasserpegel mancherorts um ca. 1 Meter pro Jahr sinkt, in der Henbei Provinz sogar um 3 Meter.

Wassermangel und Dürren treffen vor allem die Landwirtschaft. So könnten z.B. in Australien die Weizenerträge und die Produktion von Rindfleisch bis 2050 um 13% sinken. Auch in Nordchina ist das Wasser knapp - hier liegen aber zwei Drittel der landwirtschaftlichen Flächen des Landes und müssen bewässert werden. Die Ernte auf 10 Millionen Hektar Land ist bedroht - sie könnte um bis zu 20% geringer ausfallen. Wegen schlechter Bewässerungssysteme kommen nur 45% des Wassers tatsächlich bei den Pflanzen an. Aber auch Chinas Industrie verbraucht drei- bis zehnmal mehr Wasser als Betriebe in entwickelten Ländern. Flüsse und Seen trocknen aus, Grundwasserpegel fallen, die Wasserverschmutzung nimmt stark zu. Nur 56% aller städtischen und industriellen Abwässer werden behandelt. Die Kosten der Wasserkrise betragen laut Weltbank schon 2,3% des Bruttoinlandsproduktes. Mehr als 300 Millionen Chinesen haben keinen Zugang zu sicherem Trinkwasser. Der Wassermangel wird in den nächsten Jahren ein großes Problem bleiben: Mit 7% der Wasserreserven der Welt muss China 20% der Weltbevölkerung versorgen.

Laut OECD wird der globale Wasserverbrauch bis 2050 um 55% steigen, insbesondere durch Mehrbedarf im verarbeitenden Gewerbe, bei der thermischen Stromerzeugung und in Privathaushalten. Dieser Bedarf wird mit der Wassernutzung der Landwirtschaft konkurrieren, die derzeit 70% der globalen Wasserressourcen verbrauche. So müsse vor allem hier Wasser eingespart werden. Im Jahr 2025 werden rund 1,8 Milliarden Menschen und im Jahr 2050 ca. 2,3 Milliarden Menschen in Gebieten mit extremer Wasserknappheit leben.

Krisenherde der Gegenwart und Zukunft

In den kommenden Jahrzehnten wird die Welt voraussichtlich nicht friedlicher sein als heute. So wird es in Zukunft folgende Krisenherde geben (zumeist dieselben wie heute):

  • Nordafrika (Machtkampf zwischen fundamentalistischen und liberalen Kräften; fragile Staatlichkeit; Unruhen; hohe Arbeitslosigkeit, da Auslandsinvestitionen und Touristen aufgrund der unsicheren Lage ausbleiben; zunehmende Armut),
  • der Nahe und Mittlere Osten (die Machtkämpfe zwischen Sunniten und Schiiten sowie zwischen Säkularisierern und Fundamentalisten werden fortdauern; Saudi-Arabien und der Iran werden um die Vorherrschaft in der Region kämpfen; keine wettbewerbsfähige Wirtschaft; politische Instabilität bis hin zu Bürgerkriegen wie in Syrien und im Irak; der Nahost-Konflikt könnte jederzeit wieder aufflammen; zunehmende Kluft zwischen der islamischen Welt und dem Westen),
  • der Pazifikraum (Kampf um die Vorherrschaft zwischen den USA und China; Grenzstreitigkeiten zwischen China und Japan; China betrachtet Taiwan als Teil des eigenen Staates; "Pulverfass" Nordkorea),
  • Eurasien/Zentralasien (Russland wird versuchen, seine nach Auflösung der Sowjetunion geschrumpfte Einflusssphäre wieder auszudehnen; der Konflikt zwischen Russland und der Ukraine wird fortdauern) und
  • Südasien (fortdauernder Konflikt zwischen Indien und Pakistan).

Ferner könnte die Großregion Indischer Ozean zur Hauptbühne für die Konflikte des 21. Jahrhunderts werden: Hier liegen "Pulverfässer" wie Somalia, der Jemen, der Iran und Pakistan; hier zeigen sich aber auch die machtpolitischen Bestrebungen von Indien und China, die in Konkurrenz um die Naturschätze stehen, einen Großteil des Handels über die Meere abwickeln und deshalb die Seewege sichern wollen. So findet bereits die Hälfte des globalen Containerverkehrs im Indischen Ozean statt. Der Transport von Erdöl wird in den kommenden Jahren eine noch größere Bedeutung erhalten, da sich Chinas Nachfrage in den nächsten 15 Jahren vermutlich verdoppeln und Indien bald der weltweit viertgrößte Energieverbraucher sein wird. China will seinen Einflussbereich Richtung Süden erweitern, während Indien seinen Einfluss von der persischen Hochebene bis zum Golf von Thailand vergrößern und seine Kontakte zu den an Bodenschätzen reichen Ländern Zentralasiens intensivieren möchte.

Mit Welt- oder gar Atomkriegen wird in den kommenden Jahrzehnten aber nicht gerechnet. Kriege werden vor allem regional und in Ländern der Dritten Welt geführt werden. Immer häufiger dürften unbemannte Drohnen, Fahrzeuge und Roboter eingesetzt werden, die aus der Ferne gesteuert werden. Beispielsweise will die U.S. Navy bis 2025 das erste Kampfdrohnen-Geschwader einsatzbereit haben. Dank unbemannter Waffensysteme dürften in Zukunft immer weniger Menschen Kriegen zum Opfer fallen.

Allerdings könnte der Terrorismus zu einer noch größeren Bedrohung werden. So hat in den letzten Jahren die Zahl der Anschläge weltweit stark zugenommen, war es sogar zur Gründung eines terroristischen Staates durch den IS gekommen. Während bisher vor allem Menschen Opfer des Terrorismus wurden, könnten in Zukunft vermehrt Infrastruktur und Wirtschaft ins Visier der Terroristen geraten (z.B. U-Bahn-Systeme, wichtige Tunnel und Brücken) - oder von Hackern, die (auch im Auftrag anderer Staaten) die Kontrolle über Kraftwerke, Raffinerien, Stromnetze oder Chemiefabriken übernehmen. Einige wenige elektromagnetische Impuls-Bomben, die in North Virginia gezündet werden, würden Datenzentren zerstören, über die etwa 40% des Internetverkehrs laufen. Auf dieselbe Weise könnten die Daten auf Computern an der Wallstreet gelöscht werden. Wenn nur vier Hochspannungsleitungen in den USA zerstört werden, würden mehr als 60% des Landes in Kürze ohne Strom sein.

So ist es nicht verwunderlich, dass viele Menschen sorgenvoll auf das Weltgeschehen blicken. Laut einer im Jahr 2019 veröffentlichten Umfrage des Pew Research Center, für die 27.612 Menschen in 26 Ländern interviewt wurden, haben 67% der Menschen (71% der Deutschen) Angst vor dem weltweiten Klimawandel, 62% (68% der Deutschen) vor der Terrormiliz "Islamischer Staat", 61% (66%) vor Cyberattacken anderer Länder, 55% (47%) vor dem Atomwaffenprogramm Nordkoreas, 50% (29%) hinsichtlich des Zustands der Weltwirtschaft, 45% (49%) vor der Macht und dem Einfluss der USA, 36% (30%) vor Russland sowie 35% (33%) vor China.